Bang on a Can: The Carbon Copy Building

Premiere
2. Oktober 2015
A comic-strip opera

Im Oktober und November 2015 findet in Freiburg und Leipzig eine zweiteilige Hommage an das New Yorker Komponistenkollektiv Bang on a Can (Michael Gordon, David Lang, Julia Wolfe) statt. Als Auftakt präsentiert die Opera Factory Freiburg die Comic-Strip Opera The Carbon Copy Building im Westwerk Leipzig und im Kunstverein Freiburg.

Zum Stück: Im Herbst 1929 wurde in Manhattan in der Park Manure Avenue das „Palatine“ eröffnet, ein siebenstöckiges modernes Bürohochhaus. Sechs Monate später entstand 20 Blocks weiter in der Rigol Street ein exakt identisches Gebäude, das „Palaver Building“. Obwohl nach genau denselben Bauplänen errichtet, haben die architektonischen Zwillinge eine höchst unterschiedliche Geschichte, befinden sich in ganz unterschiedlichen Stadtteilen und werden von sehr unterschiedlichen Menschen frequentiert. Inspiriert von dieser städtebaulichen Kuriosität schufen Bang on a Can 1999 zusammen mit dem New Yorker Comic-Künstler Ben Katchor The Carbon Copy Building, ein experimentelles Stück Musiktheater basierend auf Katchors Libretto aus Comic-Zeichnungen, epischen Szenenangaben und an Comic-Strips angelehnten Dialogen. Dazu gibt es einen Mix aus Minimal Music, Rock, Jazz und Neuer Musik, der auch ein jüngeres Publikum begeistert.

Für die Inszenierung konnten wieder Joachim Rathke (Regie) und Heike Mondschein (Ausstattung) gewonnen werden, die für die Opera Factory Freiburg (vormals: Young Opera Company) bereits zwei sehr erfolgreiche Produktionen realisiert haben (zuletzt 2013 den Operndoppelabend Ravel-Holst). Dem Kompositionskonzept von Bang on a Can folgend, haben Klaus Simon (Musikalische Leitung) und Joachim Rathke The Carbon Copy Building um vier Stücke aus Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge erweitert. Das vierköpfige internationale Sängercast wird von der Band of Holst-Sinfonietta unter Klaus Simons Leitung begleitet.

Tickets für Leipzig gibt es im Vorverkauf über info@kkw-leipzig.com und die Hotline 0174-3804444 sowie an der Abendkasse. Eintritt 24,- € / 13,- € (ermäßigt). Jeweils 45 Minuten vor Aufführungsbeginn findet eine Einführung mit Cornelius Bauer statt.

Eine Produktion der Opera Factory Freiburg in Kooperation mit dem Kunstkraftwerk Leipzig und dem Kunstverein Freiburg.

Gefördert von: Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Kulturamt der Stadt Freiburg, Carl-Schurz-Haus Freiburg. Mit freundlicher Unterstützung von: Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, E-Werk Freiburg.

Fotos: Thilo Neubacher, Heike Mondschein

Kritiken

Badische Zeitung

16. November 2015

„Dirigent Klaus Simon, Regisseur Joachim Rathke und Dramaturg Cornelius Bauer kondensieren die Handlung so weit, bis sie sie auf den Nukleus "Parallelwelten" reduziert haben. [...] Heike Mondschein hat die ehemalige Beckenfläche gut als Spielraum ausgestattet, die vier Akteure agieren um vier Schreibtische herum, in einer Choreographie mit Endlos- und Kohlepapier (Carbon…), und eingekleidet in grellbunte Farben. Comic, aber ohne Comic. [...] Da geht es ums Zwischenmenschliche, zwischen Philip Emetine, dem Neal Banerjee seinen von deutlichen Grenzen eingezäunten Tenor verleiht. Und Semele: Die Mezzosopranistin Kimberley Boettger-Soller ist eine echte Entdeckung – fein artikulierend und apart leuchtend im Klang. Auch der österreichische Bariton Erwin Belakowitsch nimmt für sich ein – mit lyrischem, sehr modulationsfähigem Tonfall [...] Auch Jonas Holst überzeugt trotz seiner oft undankbaren, weil öden, oft quasi-rezitativischen Aufgaben mit klarer baritonaler Diktion. Die vier übrigens agieren mit großer Lust am Spiel und darstellerischer Reife.“ Alexander Dick

Die deutsche Bühne

14. November 2015

„Es gibt keine eigentliche Handlung. In dokumentarischem Ton wird über die fiktive Geschichte der beiden gleichen Gebäude berichtet, die im Jahr 1929 in zwei unterschiedlichen New Yorker Stadtteilen erbaut wurden. Das eine, in einem heruntergekommenen Viertel stehende Palaver Building ist eine mit Kohlepapier entstandene Kopie des Originals Palatine, das in der schicken Park Manure Avenue zu finden ist. Laut Comicvorlage besitzen auch die Figuren des einen Gebäudes seltsame Doppelgänger, also schlechte Kopien des anderen. Im länglichen Ausstellungsraum des Freiburger Kunstvereins wird diese Spiegelung von Regisseur Joachim Rathke nicht berücksichtigt. Nur vier weiße Bürotische sind hintereinander aufstellt. Die Band der Holst-Sinfonietta (Leitung: Klaus Simon) ist in der Ecke platziert. Auf die Comicprojektionen haben die Musiktheatermacher der Opera Factory Freiburg (früher Young Opera Company) bewusst verzichtet. Nur in den grellen Kostümen und den skurrilen Frisuren der vier Solisten spiegelt sich noch das Comichafte der Vorlage (Ausstattung: Heike Mondschein). Jonas Holst singt, von der E-Gitarre (dauerpräsent und souverän: Jan Klementz) begleitet, die ersten Gesangslinien an diesem rätselhaften, gut eineinhalbstündigen Abend, bevor Erwin Belakowitsch die Initiative an sich reißt und auf dem Tisch ein großes Solo hinlegt. Mal imitieren die vier vorzüglichen Solisten instrumentale, aus der Minimal Music stammende Repetitionsstrukturen, mal ziehen sie lange Melodiebögen über der stets pulsierenden Begleitmusik.“ Georg Rudiger

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