Opera Factory Freiburg

»Kammeroper heißt nicht Öperchen«

Wolfgang Rihm

Die Opera Factory Freiburg (vormals: Young Opera Company) ist eine unabhängige Unternehmung, die Musiktheater und Kammeropern unabhängig eines Repertoirezwangs in hoher musikalischer und szenischer Qualität produziert. Die projektweise Zusammenarbeit mit herausragenden jungen und erfahrenen Künstlern soll einerseits auf die jeweiligen Anforderungen der Stücke reagieren, anderseits aber auch ein Forum für internationale Talente bieten.

Ihr unverkennbares Profil hat die Opera Factory Freiburg durch ihr ungewöhnliches Repertoire. Ausgesucht werden Werke, die entweder zu Unrecht vergessen und unterschätzt werden wie Wolfgang Erich Korngolds Die stumme Serenade, John Adams' Ceiling-Sky oder vernachlässigt wie Claude Viviers Kopernikus, William Waltons The Bear und Gustav Holsts Savitri. Die Opera Factory Freiburg setzt sich für solche Stücke ein, um sie mit einem jeweils speziell zusammengestellten Team im Stagione-Prinzip aufzuführen.

Mittlerweile gehört die Opera Factory Freiburg zu den angesehensten unabhängigen Musiktheaterformationen in Deutschland und Europa. Ihre Premieren erfahren Besprechungen in führenden Zeitungen, Fachzeitschriften und den großen Rundfunkanstalten. Seit der Gründung besteht eine enge Verbindung mit der Holst-Sinfonietta, die als „orchestra in residence“ fungiert. Ein wichtiger früher Meilenstein der gemeinsamen Arbeit war die Aufführung von Wolfgang Rihms Kammeroper Jakob Lenz im Sommer 2000 im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals Freiburg, welche auch von der internationalen Fachpresse enthusiastisch gefeiert wurde.

2002 erlebte die szenische Interpretation von Schuberts Winterreise in der Adaption Hans Zenders im E-Werk Freiburg eine erfolgreiche Aufführungsserie mit breiter Publikumsresonanz. Das zehnjährige Bestehen wurde 2004 mit der Produktion des Song Plays I Was Looking at the Ceiling and than I Saw the Sky von John Adams gefeiert, die sowohl von Publikum als auch Fachpresse einhellig bejubelt wurde. Damit einher ging die erste Gesamteinspielung des Werks, welche international hervorragende Rezensionen erhielt. In Koproduktion mit dem Gare du Nord Basel fand 2005 die europäische Erstaufführung von Iphis statt, einer „Comic Opera“ der usbekisch-australischen Komponistin Elena Kats-Chernin nach Ovids Metamorphosen.

Nach Brittens Kirchenoper Noye's Fludde 2006 und einigen Musical-Produktionen, wurde 2009 Korngolds vergessene Operette Die stumme Serenade auf die Bühne gebracht und in Koproduktion mit dem SWR als erste moderne Aufnahme auf CD eingespielt. 2011 erfuhr Anno Schreiers zeitgenössische Kammeroper Kein Ort. Nirgends nach Christa Wolf ihre zweite Inszenierung, und 2012 fand unter großer Beachtung die erste professionelle Produktion von Claude Viviers Kopernikus in Deutschland statt. Über diese Produktion, für die eine Nominierung als Nachwuchskünstler des Jahres in der Opernwelt erfolgte, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Die Aufführung, abseits der Großinstitutionen, liefert ein beherzigenswertes Plädoyer für Viviers musiktheatralische Originalität. Eine CD-Produktion wäre wünschenswert.”

Zuletzt sorgte 2013 der in Koproduktion mit Musica Nova Reutlingen enstandene Doppelabend mit Maurice Ravels L'Heure Espagnole und Gustav Holsts The Wandering Scholar für Begeisterung und ein überwältigendes Presseecho. Zum großen Jubiläum der bis Herbst 2014 unter dem Namen Young Opera Company firmierenden Unternehmung konnte schließlich Detlev Glanerts Die drei Rätsel mit über 70 Mitwirkenden in acht ausverkauften Vorstellungen einen weiteren kleinen, großen Triumph verbuchen. Die Badische Zeitung schrieb: „Ein veritabler Wurf. [...] Nichts wie hin!“

Darüber hinaus veranstaltet die Opera Factory Freiburg seit 2001 auch eine eigene Liederabendreihe mit namhaften, internationalen Sängerinnen und Sängern, um dem Kunstlied des 20. Jahrhunderts ein Forum zu bieten.

Die Opera Factory wird von der Stadt Freiburg institutionell gefördert und erhält seit 2013 eine konzeptionelle Förderung vom Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg.

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